Hannover in Bewegung – Mein Sportverein 2030

Thementag 2018

Am Mittwoch, den 14. November 2018 veranstaltete der Fachbereich Sport und Bäder der Landeshauptstadt Hannover (LHH) mit Unterstützung des Stadtsportbundes einen Workshop zum Thema „Vereinsentwicklung kleiner und mittelgroßer Sportvereine“ als Ersatz für den ursprünglich am 22. September 2018 angesetzten Thementag, der aufgrund zu geringer Anmeldezahlen abgesagt werden musste.

Die Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten des Lotto-Sportinternats im LandesSportBund Niedersachsen e. V. statt.

Ziel der Veranstaltung war, gemeinsam herauszuarbeiten, welche Herausforderungen Sportvereine, insbesondere die kleineren und mittelgroßen, zukünftig zu meistern haben, welche gesellschaftlichen Entwicklungen zu berücksichtigen sind und welche Chancen sich daraus für Sportvereine ergeben.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Christian Schaefer als Vertreter des Fachbereichs Sport und Bäder, veranschaulichte Prof. Dr. Jens Flatau vom Institut für Sportwissenschaft der Christian-Albrechts-Universität Kiel den über 30 Teilnehmenden mit einem Impulsvortrag die Sportvereinsentwicklung. Dabei stellte er die Zusammenhänge zwischen dem demografischen Wandel, den Migrationsbewegungen, den aktuellen Sport- und Bewegungsbedürfnissen und weiteren gesellschaftlichen Veränderungen dar und spiegelte den Einfluss auf Sportvereine anhand von empirischen Untersuchungen wider. Bevor es in den Workshops weiterging, legten die Teilnehmenden die Schwerpunkte fest, die sie später in 4 Kleingruppen weiter vertieften.

Die Ergebnisse in den Kleingruppen tangierten insbesondere die notwendige Anpassung der Sportvereine an gesellschaftliche Prozesse. Wie kann der Sportverein als agierender Akteur sich aktiv an den Gegenwarts- und Zukunftsthemen beteiligen? Wie können Herausforderungen zu Chancen umgewandelt werden? Welche inneren Dynamiken in Sportvereinen haben großes Potenzial? Diese und ähnliche Fragestellungen wurden in den Kleingruppen thematisiert. Die Teilnehmenden stellten nach der Gruppenarbeit ihre Ideen, Bedürfnisse und Thesen im Plenum vor. Die Nutzung von öffentlichen Flächen für Sport, Sportverein als demokratisches Gebilde, Sparten übergreifendes Handeln, alternative bzw. flexible Mitgliedschaften, stärkere Präsenz der Sportvereine im Quartier über Kooperationen, Aufnahme von Trendsportarten und Entwicklung von adäquaten Qualifizierungsmaßnahmen waren die Themen, die hervorgehoben wurden. Punkte wie Ehrenamt, Inklusion und Integration wurden als übergeordnete Themen behandelt. In diesem Kontext wurde ausdrücklich eine projekt- und maßnahmenbezogene Vorgehensweise empfohlen, um prozessorientiert neue Ehrenamtliche zu gewinnen und in den Bereichen der Inklusion und Integration zu sensibilisieren. 

Da Thema „Fitness-Studios“ wurde überwiegend als Chance gewertet, da der Wunsch der Zielgruppe nach Bewegung von Sportvereinen aufgenommen werden kann. Gerade Angebotsformate wie „Kurse“ und „Saisonale Mitgliedschaften“ sind Nachfragen, die selten im „Training-Wettkampf-System“ der Sportvereine Geltung finden. In diesem Kontext wurden auch Schnupperangebote und Angebote der Gesundheitsprävention hervorgehoben um Zielgruppen anzusprechen, die im organisierten Sport unterrepräsentiert sind. Hier sahen die Teilnehmenden einen großen Handlungsbedarf. In diesem Zusammenhang wurde auch auf das Pendleraufkommen in der Stadt und speziell im Einzugsgebiet der Sportvereine hingewiesen. Hier ist der Personenkreis der Studierenden und Menschen gemeint, die ihren Lebensmittelpunkt an zwei Orten haben und eher saisonale oder flexible Mitgliedschaften und Angebote bevorzugen.      

Angesichts der begrenzten öffentlichen Mittel können nicht alle Sportanlagen auf den modernsten Stand gebracht werden. Kooperationen z. B. im Ganztagsschulbereich und mit Einrichtungen der Stadtteilarbeit, Fusionen mit gleichgroßen Sportvereinen zwecks besserer Ressourcennutzung und Angebotsoptimierung sind weitere Themen, mit denen sich Sportvereine auch zukünftig beschäftigen werden.

Kontrovers diskutiert wurde über die Zukunftsfähigkeit von kleineren Sportvereinen. Die These „kleinere Sportvereine werden nicht überleben“ wurde insoweit infrage gestellt, dass hierbei zwischen Mehrsparten- und Ein-Spartenvereinen, Vereinen mit und ohne eigener Sportanlage, Bevölkerungsstruktur im Einzugsgebiet und weiteren Aspekten differenziert werden sollte. Ebenso für einen regen Austausch sorgte die E-Sport-Bewegung. Im Diskurs stellte sich heraus, dass nur durch das Anerkennen dieses oder ähnlicher Trends das Erreichen der vielfältigen Zielgruppe möglich ist. Wie bei vielen anderen Themen, sind auch bei E-Sports positive Synergien möglich, wenn dieser in der Organisationsform Sportverein seinen Platz bekommt und somit Parallelstrukturen vermieden werden.

Resümierend kann festgestellt werden, dass dem organisierten Sport in Anbetracht der etablierten Strukturen, der kommunalen Förderung und des gesellschaftlichen Stellenwertes weiterhin alle Entwicklungsmöglichkeiten offenstehen, aber diese nicht selbstverständlich sind.

 

Vereinsvertreter/-innen geben ein Meinungsbild zu Ihren Präferenzen bei der Sportentwicklungsplanung ab