Sport mit Courage - gegen Rechtsextremismus

Stadt- und Regionssportbund Hannover ziehen in Veranstaltung am 13.11.2014 klar Position gegen rechtsextreme Tendenzen im Sport.

Fast zeitgleich mit der Information, dass das Verbot der Hooligan-Demonstration gegen Salafisten vom Verwaltungsgericht Hannover unter Auflagen aufgehoben sei, fand im Haus der Region Hannover die gegen Rechtsextremismus im Sport gerichtete Veranstaltung von Regions- und Stadtsportbund Hannover statt.

Organisationen des rechtsextremen Spektrums versuchen seit geraumer Zeit mit unterschiedlichen Strategien, die Attraktivität des Sports für ihre Zwecke zu nutzen und zu missbrauchen. Der organisierte Sport sieht sich daher verpflichtet klar Position gegen entsprechende Tendenzen zu beziehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Das vom Landessportbund Niedersachsen entwickelte und vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport geförderte Informations-, Aufklärungs- und damit Präventionsprojekt „Sport mit Courage – gegen Rechtsextremismus“ soll die Akteure der Sportorganisation nachhaltig in die Lage versetzen, Einflussnahmen durch Rechtsextremisten zu erkennen und Entwicklungen mit rassistischem, fremdenfeindlichem oder antisemitischen Hintergrund vor Ort einzuschätzen.

So stellte Gerd Bücker, Mitarbeiter im Landespräventionsrat, Arbeitsbereich „Prävention gegen Rechtsextremismus“, und Leiter der Arbeitsgruppe „Sport mit Courage“ der Deutschen Sportjugend anschaulich die aktuelle Situation rechtsextremer Strömungen in Niedersachsen vor. Rund 1.700 Personen seien in Niedersachsen als der Szene zugehörig identifiziert. Als beispielhaft hob er die Aktionen von Organisationen hervor, die sich eindeutig gegen Rechtsextremismus richteten und auch der Prävention dienten.

„Der Rechtsextreme lässt sich gesellschaftlich heute nicht mehr nach einem klaren Raster indentifizieren“, führte Frank Ziemann von Verfassungsschutzabteilung im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport aus. „Äußere Merkmale und Habitus dienten lediglich als Indiz, erst Gespräche und genaue Analyse von Inhalten – auch im Internet und in der Musik - gäben eventuell Aufschluss über die Gesinnung.“ Seit 2003 sei zudem ein Wandel im Rechtsextremismus hin zu einem neuen Lifestyle erkennbar.

Die von Madlen Preuß von der Uni Bielefeld vorgestellte Studie zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit belegt nicht das öffentlich propagierte Bild des typischen Vertreters von Diskriminierung und Ausgrenzung, der eher männlich, arbeitslos und gewaltbereit daher kommt. So seien Frauen in ihrer Ideologie der Ungleichwertigkeit mit den Männern grundsätzlich gleich auf, Ältere über 49 Jahre neigten eher zu Diskriminierung als Jüngere und je höher der Bildungsstand desto geringer die Ausprägung von Ausgrenzung bestimmter Gruppen. Interessant sei laut Preuß auch, dass die Selbsteinschätzung der Befragten von den Ergebnissen der Studie stark abweicht und diese sich grundsätzlich als gesellschaftlich tolerant sähen.

Neben den Referaten hatten die 36 Teilnehmer die Möglichkeit in zwei vertiefenden Workshops zum einen mehr zu Erscheinungs- und Aktionsformen des Rechtsextremismus zu erfahren und zum anderen grundlegende Handlungsoptionen gegen rechtsextreme Einflussnahme kennenzulernen.

Wie durch Aufeinanderzugehen und Miteinanderreden Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ganz praktisch begegnet werden kann, machte Abayomi Bankole vom Afrikanischen Dachverband Nord mit der Vorstellung seines Projektes „Kicken gegen Vorurteile“ deutlich. Das bereits seit sieben Jahren veranstaltete Fußballturnier zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft in gemischten Mannschaften gegen einander antreten und den Spaß am Fußballspielen teilen.

Das Resümee des Abends für Sportvereine lautete wachsam sein, erste Anzeichen von rechtsextremem Gedankengut erkennen, ohne Vorverurteilungen zu treffen und eine klare demokratische Haltung nach außen tragen.

Informationen aus dem Workshop 2 haben wir für Sie im Download-Bereich eingestellt.

Unterstützung bei Fragen zum Thema bieten der

Landessportbund Niedersachsen
Abteilung Grundsatzfragen
Patrick Neumann
Tel.: 0511 1268 107
pneumann(at)lsb-niedersachsen.de

Landespräventionsrat
„Prävention gegen Rechtsextremismus“
Gerd Bücker
Tel.: 0511 120 5259

Fotos: Philipp Seidel/RSB
Frank Ziemann referiert zu Erscheinungsformen von Rechtsextremismus.
Patrick Neumann und Gerd Bücker im Gespräch  mit Wolf D. Kohlstedt.
Abayomi Bankole/ADV Nord im Interview mit SSB-Vizepräsident Wolf D. Kohlstedt.

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4. LSB-Regionalforum: Sport mit Courage - gegen Rechtsextremismus

Sport löst Begeisterung aus und verbindet Menschen, die sonst nur wenig miteinander zu tun haben. Sport kann neben vielen anderen positiven Auswirkungen vor allem auch eine wichtige integrative Funktion erfüllen, Sportvereine bieten ihren Mitgliedern eine soziale Heimat. Zugleich sind Sportvereine ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Und somit ist der Sport leider auch nicht vor problematischen und sogar gefährlichen Phänomenen wie Ausgrenzung, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus gefeit. Nachweisbar werden die Strukturen des Sports zuweilen von Rechtsextremen als Plattform für die Verbreitung ihres Gedankenguts missbraucht. Angehörige der rechtsextremen Szene engagieren sich in unterschiedlichster Funktion im Sportverein und nehmen Einfluss.

Rechtsextreme Cliquen vereinnahmen zumindest Teilbereiche einzelner Sportvereine.

Dem wollen wir mit unserer vom LandesSportBund Niedersachsen unterstützten Veranstaltung "Sport mit Courage - gegen Rechtextremismus" der SportRegion Hannover Rechnung tragen und laden Sportvereinsvorstände, Übungsleiterinnen und Übungsleiter, sowie Betreuerinnen und Betreuer von Kindern und Jugendlichen ein, sich mit Experten auszutauschen, sich zu informieren und zu diskutieren.

Termin: Donnerstag, 13. November 2014
Veranstaltungsort: Haus der Region, Hildesheimer Straße 18-20, 30169 Hannover
Zeit: 17:00 - 21:00 Uhr

Programm :

  • 17:00 Empfang und Stehkaffee 
  • 17:30 Begrüßung & Moderation
  • 17:45 Impulsreferat I „Rechtsextremismus – zur aktuellen Situation in Niedersachsen und der Region“ , Gerd Bücker, Landespräventionsrat, Dt. Sportjugend 
  • 18:15 Impulsreferat II „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – Einstellungsmuster in Niedersachsen“  Madlen Preuß, Institut für interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung, Bielefeld 
  • 18:45 Vorstellen der Workshop-Themen (nähere Infos siehe unten) 
  • 18:50 - 19:15 Stehimbiss
  • 19:15 – 20:15 Workshops 
  • 20:15 Resümee aus den Workshops 
  • 20:30 Erfolgreiche Arbeit für Demokratie und Toleranz im Sport Abayomi Bankole, Afrikanischer Dachverband Nord e. V. - Herr Bankole stellt sein Projekt „Kicken gegen Vorurteile“ vor. Er gibt außerdem Einblicke in seine eigenen Erfahrungen zum Thema Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus im Sport und seine Art damit umzugehen.  
  • 21:00 Ende der Veranstaltung 

Workshop 1 
Rechtsextremismus heute: Symbolik, Musik, Erscheinungs- und Aktionsformen
Frank Ziemann, Nds. Ministerium für Inneres und Sport – Verfassungsschutzabteilung 

Das Erscheinungsbild des Rechtsextremismus hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. An die Stelle kahl rasierter Angst einflößender Skinheads ist ein moderner für Jugendliche attraktiver rechtsextremistischer Lifestyle getreten. Der Workshop gibt einen Einblick in die neuen Aktionsformen der neonazistischen Szene und die jugendliche Subkultur mit ihrer Symbolik, rechtsextremistischer Musik und der Nutzung des Internets.

Workshop 2
Möglichkeiten für meinen Sportverein: Wie können wir uns schützen? 

Patrick Neumann, LandesSportBund Niedersachsen und Gerd Bücker, Landespräventionsrat, Dt. Sportjugend 

Der Workshop bietet einen kurzen Überblick über verschiedene Formen rechtsextremer Einflussnahme im Sport und zeigt Maßnahmen auf, wie sich Sportvereine schützen können. Anonymisierte Beratungsfälle werden zur gemeinsamen Erarbeitung konkreter Handlungsmöglichkeiten herangezogen. Es werden beratende Netzwerke und Unterstützungsangebote in Niedersachsen und dem Bundesgebiet benannt und eine Auswahl an Arbeits- und Informationsmaterialien vorgestellt.

Inhalte und Ziele des LSB-Projekts „Sport mit Courage – gegen Rechtsextremismus“ ist ein Informations-, Aufklärungs- und damit Präventionsangebot des LandesSportBundes Niedersachsen. Sportbünde, Landesfachverbände und Sportvereine sollen nachhaltig in die Lage versetzt werden, Einflussnahmen durch Rechtsextremisten zu erkennen und Entwicklungen mit rassistischem, fremdenfeindlichem oder antisemitischem Hintergrund vor Ort einschätzen zu können. Das Projekt soll dazu beitragen, dass ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherer im Umgang mit dem modernen Rechtsextremismus werden. Handlungsoptionen sollen aufgezeigt und gemeinsame Strategien zur Auseinandersetzung mit diesem Phänomen entwickelt werden. 

Sport mit Courage fördert und unterstützt gezielt die Mitgliedsvereine und Gliederungen des LandesSportBundes in ihrem Engagement für Toleranz, Vielfalt und Demokratie. 

Das Projekt wird gefördert und unterstützt durch die Niedersächsische Extremismus-Informations-Stelle (NEIS) im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport sowie die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung.

Ausschlussklausel 

Die Veranstalter behalten sich vor, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremistischen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.