OB-Kandidaten stehen bei der Podiumsdiskussion Rede und Antwort

Drei starke OB-Kandidaten positionieren sich zum Sport

von links: Rita Girschikofsky, Belit Onay, Eckhard Scholz, Marc Hansmann, Carsten Bergmann

Foto: Florian Petrow

Montag, 21. Oktober 2019

19:00 bis 21:00 Uhr, Akademie des Sports

Das Interesse war größer als erwartet. Bis zu 180 Vertreter der Sportvereine, Fachverbände sowie weitere Sportinteressierte kamen in die Akademie des Sports. Bevor Rita Girschikofsky, Vorsitzende des Stadtsportbundes Hannover (SSB), die Sportdiskussion mit den drei aussichtsreichsten hannoverschen Oberbürgermeister-Kandidaten eröffnete, mussten noch zusätzliche Stühle in den Toto-Lotto-Saal der Akademie des Sports gebracht werden. „Wir wollen wissen, wie steht der Sport in dieser Stadt da“, sagte Girschikofsky und führte zu den Statements von Marc Hansmann (49, SPD), Eckhard Scholz (55, CDU) und Belit Onay (38, Bündnis 90/Die Grünen) zu den unterschiedlichen Themen hin.

 

In der Veranstaltung war einiges von kommunalpolitischem Konsens zu spüren, den Hansmann in der Stadt seit Jahren erlebt. Onay wählte den Oberbegriff „Pragmatismus“, Scholz meinte, dass der „Sport eine Heimat“ in der Verwaltung brauche.

 

Es gab aber zum Beispiel im Themenbereich Schwimmbäder auch Kontroversen und lebhafte Einlassungen des Publikums. Dabei ging es nicht nur um den Leistungssport, sondern auch um Kosten und Schwierigkeiten bei der Sanierung insbesondere des Misburger Bades.

 

Moderator Carsten Bergmann, Hannover-Sportchef der Verlagsgruppe Madsack, wünschte sich anschließend von den drei Politikern keine „Schaufensterreden, sondern Fakten“. Zum Thema Sportstättenbau und -sanierung sprach sich Hansmann angesichts einer wachsenden Stadtbevölkerung für eine „größere Hallenkapazität“ aus. Er begrüßte ebenso wie Onay und Scholz in diesem Bereich einen „Masterplan“. Der Grünen-Politiker sprach sich dafür aus, das Thema im Bereich der Wohnquartierentwicklung zu berücksichtigen. Hierfür muss ein Masterplan, unter Einbeziehung des Stadtsportbundes erstellt werden, der den Bedarf der Sportstätten und Sporthallen analysiert und in einen Entwicklungs- und Sanierungsfahrplan mündet. Der Stadtsportbund fordert, dass zukünftige Freizeitaktivitäten wie Sport in die Planung von neuen Wohnquartieren einfließen. Scholz wies auf Engpässe bei den Schwimmbädern hin. „Das Land hat 100 Millionen Euro für diese Zwecke bereitgestellt“, sagte Scholz, „mir ist nicht bekannt, dass die Stadt schon Mittel abgerufen hat.“

 

Bernd Seidensticker, Präsident von Waspo 98, stellte daraufhin die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit für seine Wasserballer. Der aktuelle Pokal- und Superpokalsieger brauche eine internationale Spielstätte und warf die Frage nach einer Tribüne im neuen Fössebad auf, die 500 Zuschauer fasst. Hansmann und Onay sahen eher das Stadionbad, das allerdings stark sanierungsbedürftig ist, als ausreichende Spielstätte. „Wenn das Stadionbad allerdings wegbricht, haben wir eine neue Ausgangslage“, sagte Onay. Hansmann sprach sich dafür aus, den Betrieb im Stadionbad zu sichern, bis die Sanierung des Fössebades und des Misburger Bades abgeschlossen ist. Scholz unterstützte die Forderung des SSB nach einer 500-Besucher-Tribüne im Fössebad. Auch die anderen OB-Kandidaten können sich eine Erweiterung der Tribünenkapazität vorstellen. An den Kosten von 80.000 € werde es nicht scheitern, allerdings betonte Marc Hansmann, dass es nicht zu einer Verzögerung beim Neubau kommen darf.

 

„Wir brauchen diese Infrastruktur auch für Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften“, sagte Girschikofsky. „Auf den Tribünenbänken kann man auch essen, trinken und seine Kinder wickeln.“

 

Alle OB-Kandidaten sprachen sich für eine Unterstützung im Ehrenamt aus, sei es eine Professionalisierung oder eine Erleichterung in der Antragsstellung. Eckhard Scholz kann sich vorstellen eine Erleichterung in Form von Vergünstigungen im ÖPNV zu gewährleisten. In den Finanzfragen gab es aus dem Publikum die Forderung nach einer Erhöhung des Platzpflegebetrags sowie die Reduzierung der Hallenutzungsgebühren, um die Sportvereine zu entlasten. Hansmann und Onay sprachen sich gegen eine Reduktion der Hallennutzungsgebühr aus, um so die Hallenkapazitäten besser regulieren zu können. Die Forderung des Stadtsportbundes zur Schaffung/Vermittlung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen unter Einbeziehung der Wirtschaft und Aufbau eines Netzwerkes sowie eine finanzielle Unterstützung im Leistungssport unterstützen die drei OB- Kandidaten. Eckhard Scholz möchte seine Kontakte in die Wirtschaft nutzen und ein Netzwerk für den Leistungssport aufbauen.

 

Das Kandidaten-Trio hat sich das Ziel gesetzt mit dem Stadtsportbund zukünftig intensiver zusammen zu arbeiten. Marc Hansmann und Eckhard Scholz wollen sich persönlich um den Sport kümmern und planen hierfür eine Zuordnung zum Verantwortungsbereich des OB. Belit Onay sprach sich für eine Entzerrung der Dezernate aus. Er möchte ein eigenes Dezernat für den Sport in Hannover schaffen.

 

Zum Schluss bedankte sich Rita Girschikofsky, Stadtsportbundpräsidentin, für den offenen Dialog und klare Positionierungen der Kandidaten. Sie appellierte an alle Teilnehmenden am Sonntag, den 27.10.2019 zur Wahl zu gehen und den neuen Oberbürgermeister von Hannover zu wählen.

 

Anschließend lud sie alle Teilnehmenden ein, im Foyer des Toto-Lotto Saals die Themen weiter zu diskutieren.

 

Casten Schmidt, Sportbuzzer

Stadtsportbund Hannover

„Uns ist es wichtig, dass die OB-Kandidaten klare Aussagen treffen, an denen Sie gemessen werden können.“

Rita Girschikofsky, SSB-Präsidentin